Das Grauwackebeil

In der Trierer Zeitschrift 24-26, 1956-1958, ist der Jahresbericht von 1945 bis 1958 abgedruckt. Auf Seite 341 heißt es auszugsweise:

„Winterscheid, ‚Op dem Kam‘. 1954 wurde auf dem Feld des Peter Knauf, Winterscheid, ein geschliffenes Grauwackebeil gefunden. L = 10,0 cm; B = 4,6 cm; D = 2,3 cm. Das Beil gelangte in den Besitz von Lehrer Bläsius, der es bei seiner Versetzung nach Binscheid mitgenommen haben soll.“

In der Winterscheider Chronik von 1997 steht ein interessanter Bericht über das Winterscheider Steinzeitbeil auf Seite 2:

„1954 fand Peter Knauf aus Winterscheid bei Feldarbeiten ein Grauwackebeil aus der Steinzeit. Die Maße des Beiles sind L = 10 cm, B = 4,6 cm und D = 2,3 cm. Das Beil wurde dem damaligen Dorflehrer Herr Bläsius übergeben, dieser soll es bei seiner Versetzung nach Binscheid mitgenommen haben. Im Jahre 1970 fand Johann Knauf, ein Bruder von Peter Knauf, ebenfalls ein Grauwackebeil in nächster Nähe seiner landwirtschaftlichen Gebäude. Dieses Grauwackebeil befindet sich auch heute noch im Besitz von Johann Knauf.“

Offensichtlich handelt es sich bei der Aussage, der Lehrer Bläsius habe das Steinbeil mitgenommen, um eine Schutzbehauptung, begründet mit der Annahme das ansonsten das Steinzeitbeil ein ähnliches Schicksal erführe wie das Steinkistengrab.
Unabhängig von den heutigen Besitzansprüchen auf das Steinzeitbeil ist jedoch, dass dieses Steinbeil einen früheren Besitzer hatte, dem es – wie auch immer – verlustig ging. Und damit ist eigentlich schon alles gesagt, was man wirklich weiß.
    Um aber eine zeitliche Zuordnung zu ermöglichen ist es sinnvoll die bekannten früheren Bewohner oder Besucher dieses Landstrichs zu erwähnen welche Steinbeile benutzten. Im 8. bis 7. Jahrhundert v. u. Z. breiteten sich die Kelten (Gallier) hier aus, genaugenommen bewohnte der keltische Volksstamm der Mediomatriker das obere Moselgebiet des heutigen Metz und grenzte in unserer Gegend an das Gebiet der keltischen Ebuoronen.
    Gegen 300 v. u. Z. erobern vom Norden her die Germanen Gallien. Danach lebte im hiesigen Raum eine germanisch-keltische Mischbevölkerung.
    Tacitus unterteilt drei germanische Stammesgruppen. Der Großraum Trier war von den Treverern besiedelt, welche zu der Gruppe der Istwäonen zählten.

©2006-2016 Cornelia Rickal