Die Hügelgräber

Seit nunmehr 100 Jahren beschäftigen die Hügelgräber die Gemüter. Es wurden seither viele Einzelinformationen veröffentlicht. Beginnend im Jahr 1907 mit dem Eifelvereinsblatt, 8. Jg., Nr. 2, S.10:

„O.-G. Prüm. Eifeler Volkszeitung, 8. XII. 06. Nr. 98.
Ein römisches Grab aus dem Kreise Prüm.
Im vorigen Jahre fand Forstmeister Volk von hier etwa 1½ km nordwestlich von Winterscheid bei Bleialf am ‚Dusefenn‘ zwei Hügel, in denen er Gräber vermutete. Den einen der Hügel ließ er von einem Graben durchziehen; in der Mitte desselben fand man einen fast würfelförmigen, ausgehöhlten roten Sandstein (60×60×50 cm); die Höhlung maß 35×35×27 cm. Diese Steinkiste war von nicht behauenen kleinen Steinen umlagert, die vermutlich aus der Nähe stammten. In der nach unten gerichteten Höhlung der Steinkiste befanden sich auch einige Ton- und Glasscherben. Der Unterzeichnete begleitete im Oktober d. J. den Forstmeister zu der Fundstätte. Aus dem Schutte wurden noch ein paar Glasscherben gehoben; die übrigen Scherben waren verschleppt. Die Form der Gefäße konnte nicht mehr ermittelt werden. Nach Erkundigungen bei dem Arbeiter wurden vor Jahren an dem nahegelegenen ‚Klafeberg‘ ähnliche Funde gemacht. Ob das Grab am Dusefenn schon einmal geöffnet wurde, konnte nach dem Zustande des Hügels nicht festgestellt werden. Die umgekehrte Stellung der Steinkiste aber und die Scherben lassen dies wahrscheinlich erscheinen. Die Funde weisen unzweifelhaft auf römischen Ursprung hin. Museumsdirektor Dr. Krüger aus Trier, dem der Grabinhalt mit Genehmigung der Kgl. Forstbehörde für das Provinzialmuseum übersandt wurde, vermutet, dass das Grab aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. stammt. Trifft das zu, so würde dieses Grab etwa hundert Jahre älter sein als die bei Weinsheim aufgedeckten, die vermutlich aus dem 2. Christlichen Jahrhundert stammen. Es besteht begründete Hoffnung, demnächst noch andere römische Fundstätten aufzudecken. Auf einer Anzahl Höhen längst des Prüm und Alftals (bei Weinsheim, bei Niederprüm, Schloßheck, am Kafeberg) befanden sich zur Römerzeit Niederlassungen. Welcher Art dieselben waren, lässt sich freilich bis jetzt nur vermuten. Die Anordnung derselben in einer Linie und die Lage auf den Höhen weist wahrscheinlich auf größere und kleinere militärische Niederlassungen. (Wachtposten ähnlich denen am Limes hin?)
An dieser Stelle sei an alle Forstbeamte, Landwirte u. a. die Bitte gerichtet, falls ihnen Gräber oder andere Funde begegnen, dies gef. unverzüglich dem Königlichen Landratsamte, der Verwaltung des Provinzialmuseums in Trier oder dem Unterzeichneten mitzuteilen, damit eine sachgemäße Ausgrabung veranlasst wird. Gleichzeitig wird auch gebeten, eigene Ausgrabungen nach Möglichkeit zu unterlassen, da auf die genaue Feststellung der Lage des Fundortes, der Anlage des Grabes, der Beigaben usw. der größte Wert gelegt wird. Es ist auch dringend wünschenswert, etwa schon vorhandene Fundgegenstände (Gefäße, Münzen, gehauene oder geschliffene Steine, Eisenteile u. a.) an einer der genannten Stellen anzeigen zu wollen! Für diese Gegenstände wird auf Wunsch gern eine Entschädigung gewährt, falls man die ablassen will, im andern Falle aber ist schon eine genauere Beschreibung oder Zeichnung von großem Werte. Im Besitze des einzelnen haben die Funde aus früheren Jahrhunderten meist gar keinen Wert. Erst in der Gesamtheit helfen sie der Altertums- und Geschichtsforschung das Bild jener frühgeschichtlichen Zeit unseres Eifellandes vervollständigen.
Prüm; Seminarlehrer P. J. Kreuzberg, Korrespondent für Denkmalpflege.“

Die Westdeutsche Zeitschrift 26, 1907, S. 314 berichtet:

„Bleialf (Kreis Prüm) rettete Lehrer Kreuzberg in Prüm eine steinerne Aschenkiste für das Museum, die offenbar schon einmal ihres Inhalts beraubt worden war.“

In den Bonner Jahrbüchern 117, von 1908 heißt es auszugsweise auf Seite 373:

„[…] Von einer unbefugten Untersuchung eines Grabhügels bei Bleialf (Kreis Prüm) rettete Herr Lehrer Kreuzberg in Prüm eine steinerne Aschenkiste für das Museum, die offenbar schon früher einmal ihres Inhalts beraubt worden war. […]“

1939 schreibt Harald Koethe in der Trierer Zeitschrift 14, auf Seite 138 über Winterscheid:

„Winterscheid (Prüm). WestdZs. 26, 1907, 314.
Zwei Hügel, von denen einer ausgegraben wurde. In der Mitte fand man eine umgestülpte würfelförmige Sandsteinkiste ohne Deckel [eigentlich ohne Boden], in dem nach unten gekehrten Hohlraum Glasscherben und abgeriebene Tonscherben, vielleicht Spuren einer älteren Beraubung. Über dem Steinwürfel häuften sich zunächst Steine, dann Erde.“

Die Trierer Zeitschrift 18 aus dem Jahr 1949 berichtet auf Seite 322:

„Winterscheid. Die Lage der in TrZs. 14, 1939, 136 angeführten dicht beieinanderliegenden mächtigen Grabhügel wurde näher bestimmt. Sie befinden sich im Distrikt ‚Duzefen‘ 1,2 km nordwestlich von Winterscheid, 0,3 km westlich P. 520,6 (Mtbl. Bleialf) als ‚Römergräber‘ gut bekannt. Am Südostrand der Lichtung und wenige Meter nordöstlich davon im Tannenwald vermutlich zwei weitere ganz verflachte Hügel.“

In der Trierer Zeitschrift 33 von 1970 (Jahresbericht 1965-1969) heißt es auf Seite 209:

„Winterscheid, Kreis Prüm
Grabhügel, röm. (Mtbl. 5703 Bleialf: r 17100, h 67160)
Auf Meldung des Forstamtes Prüm hin wurde zusammen mit Oberförster Dixius, Winterspelt, das Gelände des bereits bekannten Grabhügel im Waldgebiet nordwestl. Winterscheid begangen (vgl. Trierer Zeitschr. 14, 1939, 136). Der Hügel, zur Hälfte durchschnitten, ist noch gut erhalten. Im gelichteten Waldgelände in der Nachbarschaft konnten noch weitere flache Hügel festgestellt werden. Das Gelände ist zur Vermessung vorgesehen.“

W. Ebel schreibt in „Die römischen Grabhügel des ersten Jahrhunderts im Treverengebiet. Marburger Studien zur Vor- und Frühgeschichte“ Band 12 (Marburg 1989) auf Seite 158 über Winterscheid:

„B 16) Winterscheid
‚Duzefen‘, Mtbl. 5703 Bleialf r17100 h 67160
Gruppe von mehreren Hügel, von denen einer 1906 gegraben wurde. Dabei kam eine leere Aschekiste zutage.
Verbleib: LMT 06,262 Lit.: Koethe 1939, 136. Trierer Zeitschr. 18, 1949, 322. Trierer Zeitschr. 33, 1970, 209.„

Die Inventarliste des Trierer Landesmuseums enthält eine Skizze:

Demnach ist die würfelförmige Aschenkiste aus rotem Sandstein. Ihre Abmessungen betragen:

Außenmaße

Innenmaße

63 cm   Breite 25 cm   Breite
62 cm   Länge 25 cm   Länge
59 cm   Höhe 27 cm   Höhe

Ihr rechnerisches Gewicht (spezif. Gewicht 2,6 - 2,7) beträgt zwischen 555 kg und ca. 577 kg. Um so verständlicher ist die Anmerkung auf der Inventarliste, dass P. J. Kreuzberg für Aushebung und Transport im Jahre 1906 immerhin M [=Mark] 10.50 erhielt.

©2006-2016 Cornelia Rickal