Klaffenberg, Klafenberg, Klafenburg

Bereits einige Personen berichteten bisher über den Klafenberg oder die Klafenburg. Einer der älteren Berichte, aus dem Jahr 1841, findet sich bei Bormann:[1]

„6) Das Schloss bei Winterscheid Klafenburg genannt. Diese Ruine liegt unweit Winterscheid im Orte, auf dem Klafenberg. Die noch nicht ausgegrabene Rubra sind auf der Oberfläche ganz deutlich zu erkennen. Der Volkssage gemäß hat hier ein Tempelhaus gestanden. Die Benennung Klafenberg (Kalifenberg) gibt aber klar seine ursprüngliche Bestimmung an, und zeugt für ein herrschaftliches römisches Gebäude, wo ein Kalif oder Emir gewohnt.“

In der Eiflia illustrata[2] findet sich ein interessanter Hinweis:

„Zu Bleialf waren auch mehrere Bauernlehen, mit welchen die Abtei [Prüm] mehrere Bauernfamilien belehnt hat. Es waren Kunkel-Lehen […]. Solche Lehen waren […] das Klaffenberg-Erbe, […] die Güter mit welchen vor 1534 Johann v. Stein belehnt gewesen […]. Im Jahre 1514 wurde Georg von Stein zu der Neuerburg von dem Abte [Wilhelm von Manderscheid, Abt von Prüm 1513-1546, Malmedy und Stablo] mit Gütern zu Bleialf belehnt. [Graf Kuno von Manderscheid übernahm 1487 die Neuerburg.]“

Die Untersuchung im Jahre 1941 durch Dr. Dehn wurde in der Trierer Zeitschrift 18, 1949 beschrieben:

„Winterscheid, 0,9 km nordwestlich von Winterscheid, am Feldweg zwischen 520,6 und 478,2 (Flur Klafenberg) sollten nach Bormann, Geschichte der Ardennen II. 101, deutliche römische Baureste (‚Tempelhaus‘) liegen. Eine Nachprüfung durch Dr. Dehn im Jahre 1941 ließ jedoch keine römischen Spuren erkennen. Ein ‚Burgbrunnen‘ soll nordöstlich des Feldweges liegen. Im Weg und in den äckern westlich der Wiesen wurden sechs mittelalterliche Scherben aufgelesen. EV.41/102.“

Die Winterscheider Dorfchronik[3] berichtet:

„[Seite 2]
    Alte Chroniken berichten von einer Römersiedlung auf dem Klafenberg. 1906 wurde dort ein römisches Steinkistengrab gefunden. Außerdem konnten noch Siedlungsreste festgestellt werden. Das Steinkistengrab wurde nach Trier ins Museum gebracht. Die Gegenstände, die im Grab gefunden wurden, kamen vermutlich ebenfalls ins Museum.
[Seite 3]
   Die Klafenburg
Die Klafenburg wurde zur Römerzeit gebaut. Um die Burg war ein tiefer Wassergraben. Viele Menschen aus Winterscheid waren Leibeigene auf der Burg. Als Tageslohn erhielten sie ein kleines Stück Brot und hin und wieder einen Apfel. Die Burg wurde später zerstört. Es ist allerdings nicht bekannt aus welchen Gründen und von wem sie zerstört worden ist. Aus einem Teil der Steine der Burg baute man hauptsächlich die Kapelle in Ort größer. An der Eingangstür der Kapelle ist die Jahreszahl 1847 vermerkt.
Archäologen suchten später nach Schätze und überresten der Burg. Dabei stießen sie auf eine Sandsteinmauer und einen Brunnen. Wieder andere Suchaktionen blieben ohne Erfolg. Daraufhin wurde die Stelle mit Erde aufgeschüttet. Nur der Brunnen soll noch vorhanden sein.
Der Berg auf dem die Burg stand, hat heute noch den Namen ‚Klafenberg‘.“

Anwohner bringen noch heute, Klafenberg mit Sklavenberg in Verbindung. Jedoch lassen sich solche Vermutungen nicht beweisen. Unter Berücksichtigung der geschichtlichen Rahmenbedingungen und der o. a. Quellen lässt sich die Geschichte des früheren Gebäudes auf dem Klafenberg zumindest eingrenzen.
    Die Untersuchung im Jahre 1941 durch Dr. Dehn erbrachte keinerlei Hinweise auf eine römische Siedlung, aber mittelalterliche Scherbenfunde. Johann Friedrich Schannat berichtet, dass das Klafenberg-Erbe ein Kunkel-Erbe[4] (=Stockerbgut) war, mit welchem zwischen 1515 und 1534 Johann von Stein belehnt war. Dieses Lehen umfasste nicht ganz Winterscheid, sondern nur dieses eine Hofgut außerhalb des damaligen Ortes Winterscheid. Eine zeitliche Eingrenzung der Anfänge der Stockerbgüter wurde von Karl Lamprecht vorgenommen, denn er schreibt:[5]

„[…] Das Institut der Schaft-, Stock- und Vogteigüter [kann] kaum älter sein, als die Ausbildung der Vogtei selbst im Sinne eines Komplexes grundherrlicher Gerechtsame; man wird also ihre Anfänge kaum vor das 13. Jh. setzen können.“

Nach dem Bericht von Bormann war bereits 1841 nur noch die Rubra der Ruine zu erkennen. Demnach waren nur noch rötliche oder rote Mauerreste in der Erde oder im Schutt vorhanden. Da es sich offensichtlich nicht um eine historisch wertvolle Ruine handelte, stand dem Abbruch der Mauerreste und deren Verwendung in der Kapellenhofmauer[6] nichts im Wege.
    Die Berichte von einer Klafenburg im Sinne einer Burg entbehren einer gesicherten Grundlage. Die Abtei Prüm war vor 1300 alleiniger Grundbesitzer[7] dieses Gebietes, was faktisch alle Einwohner mehr oder minder zu Leibeigenen des Klosters machte – bzw. von dem in Personalunion herrschendem Abt und Kurfürst. Kein Beleg und auch keine glaubwürdige Erwähnung einer Burg auf Winterscheider Bann ist bekannt. Statt dessen waren die Winterscheider zu manchen Zeiten in teilweiser Abhängigkeit von der Schönberger Burg bzw. deren Regenten.[8]


[1]Bormann, M.: Beitrag zur Geschichte der Ardennen II. Trier 1841, Seite 101
[2]Schannat, Johann Friedrich: Eiflia illustrata oder geographische und historische Beschreibung der Eifel. Aus dem Lateinischen übers., mit Anm. und Zusätzen bereichert, nebst vielen Abb. von Altertümern, Sigillen u. Wappen, hrsg. von Georg Bärsch. Aachen: Meyer. Bd. 3.2.1. (Auszug S. 199)
[3] Q33
[4] Als Kunkellehen wurde im alten deutschen Recht unter dem Feudalismus seit dem Hochmittelalter im 12. Jhdt. das Lehen bezeichnet, das beim Aussterben der Manneslinie auf  die weibliche Linie überging. Die Kunkel (von lat. conucula - Spinnrocken) wird hier zum Symbol des Weiblichen, da das Spinnen einen typisch weibliche Tätigkeit war.
[5] Q17, Seite 655
[6] lt. Zeitzeugen, der am Mauerbau Beteiligten
[7] 1298: Gericht zu Rommersheim verbietet Grundbesitz im Hofbezirk Bleialf (d.h. kein Lehnsmann konnte erbliche Rechte geltend machen – im Sinne des fortdauernden Besitzes) (vgl. Q17, S. 1155)
[8] 1222: Die Vogtsburg Schönberg inkl. Hof Amelscheid und der Schutzvogtei über Bleialf, Winterspelt und Sellerich wurde verlehnt an die Herren von Schönberg bzw. de Bellmonte (lt. Caesarius, Exabt, welcher das Urbar von 893 überarbeitete) (vgl. Q6, S.24)

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